Die Jugend nicht im Stich lassen

Erschienen in der infrarot-Ausgabe vom September 2009

Die JUSO St. Gallen hat mit anderen Organisationen eine Lehrstelleninitiative lanciert, welche einen kantonalen Berufsbildungsfond verlangt. Am 27. September hat sie leider nur 37.4% Ja-Stimmen aus der Bevölkerung erhalten.

Mit einer provokativen Kampagne hat die JUSO SG probiert, die StimmbürgerInnen für das Thema zu sensibilisieren. So zeigt ihr Flyer die beiden bürgerlichen Regierungsräte Kathrin Keller-Suter (fdp) und Stefan Kölliker (svp) als heruntergekommene Obdachlose, welche auf die Hilfe der Gesellschaft angewiesen sind.

Die Initiative hat der JUSO St. Gallen nicht nur Gutes gebracht. Die Motivation fehlte, die Arbeit musste letztlich von einigen wenigen verrichtet werden. 4000 Unterschriften in kurzer Zeit bedeutet einiges an Arbeit. Viele sind inaktiv, kommen nicht mehr an Versammlungen. Auch am Abstimmungssonntag: der reservierte Tisch wird sogar noch verkleinert. Während der Pizza wird die Kommunikation abgesprochen, denn es zeichnet sich ab: die Initiative hat gegen die Neoliberalen keine Chance.

Besonders der Regierungsrat war gegen die Initiative. Der Bildungsdirektor Stefan Kölliker argumentiert auch nach der Abstimmung weiter auf seiner neoliberalen Linie: „Die JUSO-Initiative bringt die Jugendlichen in Gefahr“. Seiner Meinung nach braucht es in der Wirtschaft eine Bereitschaft dazu, Lehrstellen anzubieten. Wenn die Wirtschaft von der Politik überfordert wird, dann geriete dieses „Gleichgewicht“ in eine Schieflage: „Wir müssen die Unternehmen selber entscheiden lassen“, ist Kölliker überzeugt.

25% arbeitslose Jugendliche SchulabgängerInnen sind zu viele, sind die JUSOs überzeugt. Anders der Bildungsdirektor Kölliker: voller Freude erzählt er dem Infrarot von ganz neuen und bisher unveröffentlichten Daten, die besagen dass auch nächstes Jahr das gleiche Angebot an Lehrstellen im Kanton St. Gallen besteht. Also kann jetzt schon jede und jeder vierte damit rechnen, keine Lehrstelle zu erhalten. Auch wenn Kölliker meint, dass der Kanton St. Gallen im Schweizer Vergleich Top ist und alles im Griff hat, braucht es aber mehr. Die bürgerlichen Verhinderer müssen jetzt selber zeigen, wie sie das Problem anpacken wollen – aber wahrscheinlich verstecken sie sich hinter neoliberalen Phrasen und kümmern sich nicht um die Jugend.


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