Dienstag, 10. Juni 2008 um 04:11
Seit meinem letzten Eintrag ist einiges vorgefallen. Wie angekuendigt war ich am Freitag Abend am Konzert von Death Cab for Cutie. Wie zu erwarten war dieses Konzert genial. Bereits die Vorband Rogue Wave hat dem Publikum gefallen, aehnelt die Musik doch dem Stil von Death Cab. Einige hundert Personen warteten am Quai Jacques Cartier auf die vier Musiker von Death Cab – Open Air, versteht sich. Den ganzen Tag war es bewoelkt und alle hofften dass es nicht zu regnen beginnt. Haette mich auch zusehr in Schweizer Openairstimmung gebracht. Auf jeden Fall hielt das Wetter den ganzen Abend, und so waren wir noch trocken (Bier einmal ausgenommen) als Death Cab endlich auf die Buehne kam. Das Konzert war hammergeil, sie haben 20 Songs gespielt:
Bixby Canyon Bridge – The New Year – Why You’d Want to Live Here – Photobooth – Crooked Teeth – Long Division – Grapevine Fires – A Movie Script Ending – Company Calls Epilogue – Soul Meets Body – I Will Follow You Into the Dark – I Will Possess Your Heart – Cath – The Sound of Settling – Marching Bands of Manhattan. Zugabe: Title and Registration – No Sunlight – Styrofoam Plates – Tiny Vessels – Transatlanticism.
Unglaublich war wie die Zuschauer mitgegangen sind. Einige Songs – vor allem I Will Follow You Into the Dark, Crooked Teeth, Soul Meets Body und Title and Registration – sangen alle mit. Besonders I Will Follow You Into the Dark war beeindruckend, spielte Ben Gibbard doch alleine mit der akkustischen Gitarre und in einem Chor mit dem Publikum – Gaensehaut. I Will Possess Your Heart und Transatlanticism wurden uebrigens in voller Laenge gespielt. Ich war ihnen sehr dankbar dass sie Transatlanticism als letzten Song gewaehlt haben. Irgendwie war das ganze in sich Stimmig und ich war mit dem Konzert zufrieden.
Nach dem Konzert war es aber noch nicht fertig. Da das Konzert Open Air war, hat es frueh begonnen und war bereits um 22.00 fertig. Somit hatte ich noch genuegend Zeit um mich am Treffpunkt fuer den Ausgang mit der Schule einzufinden. Darueber moechte ich vor allem berichten weil ich fast nicht in den Club reingekommen waere: Dieser Club hat anscheinend relativ strenge Dresscodes. Ein Tuersteher hat mich zweimal angequatscht dass ich und noch ein anderer verschwinden sollen – unsere Adidasschuhe waren ihm nicht genehm. Unser Aktivitaetenkoordinator der Schule (der die 15$ Eintritt fuer uns bezahlt hat) hat uns aber alle reingekriegt. Krasse Sicherheitskontrollen: Metalldetektor und Koerperbetatschung… Endlich innen angekommen machte mir der Club (uebrigens; der Name ist La Mouche) mehr den Eindruck nach einer Koks-Lounge irgendwo in St. Moritz oder an der Zuercher Goldkueste. Alle Maennchen hatten Lackschuehchen und Krawatte, die Weibchen sahen meist wie Barbiepueppchen aus. Naja, das Bier war auch 7$ und die Barbie an der Bar wollte trotzdem noch Trinkgeld. Wir sind dann eigentlich relativ schnell wieder gegangen. Wir sind dann noch in die Crescent Street, wo all die Grand Prix Aktivitaeten waren. Nach Mitternacht war es nicht mehr so interessant… Aber die Reise mit dem Nachtbus nach Hause war Adventure pur:
In Downtown im Bus eingestiegen bemerkten wir erst einmal dass bereits einer sein Znacht nicht verdauen wollte. Ein anderer hat es geschafft den ganzen Bus zu unterhalten, indem er mindestens 50 mal fuck in einer Minute reden gebraucht hat – versteht sich natuerlich in einem Schwall anderer Worte. Er hatte sich aufgeregt dass einige die hintere Tuere zum Einsteigen gebraucht haben, die eigentlich zum Aussteigen reserviert ist. Endlich angefahren ging es dann die ersten paar Minuten relativ gut, mal davon abgesehen dass es stank. Ploetzlich aber fuehlte sich der fuck-Weltmeister von einem anderen Busreisenden schraeg angeguckt und hat wieder mit fuck angefangen. Beide aufeinander los, Schlaegerei im Bus. Leider wurde nur der fuck-Weltmeister von einem anderen zurueckgehalten, sodass der Schraeggucker ihn ungehindert ihn den Schwitzkasten nehmen konnte und auch bewusstlos werden lies – einige im Bus waren recht schockiert als wir sahen wie der fuck-Weltmeister bewusstlos auf die Fresse fiel… Big City Life, koennte man sagen. Als er (zum Glueck) wieder bei Bewusstsein war, war der andere raus aus dem Bus und zu Fuss nach Hause. Der fuck-Weltmeister aber blieb im Bus…
Als wir (Angela und Annamaria, zwei Schuelerinnen im Homestay neben mir, sowie Angela (eine zweite) und Marion, die in der Naehe wohnten) dann aus dem Bus aussteigen mussten, um den Bus zu wechseln, stieg der fuck-Weltmeister auch raus. Und so waren wir dort zu sechst am warten, wir fuenf fuehlten uns sichtlich unwohl. Freudigerweise hatte sich das Gemuet des fuck-Weltmeister ein bisschen abgekuehlt seit er bewusstlos war.
Und er war nicht in der naechsten Schlaegerei beteiligt. Nach etwa drei Minuten warten sahen wir 6-7 Jugendliche um ein Gebaeude rumspringen. Wir realisierten erstmal nicht was geschah. Als wir aber sahen, wie sich die Jugendlichen einen anderen Jugendlichen schnappten und auf ihn eindroschten war klar was geschah. Innert Sekunden reagierten wir indem wir die Polizei riefen. Ich durfte denen zwei Mal erklaeren wo ich war und was ich sah, aber bis ich fertig mit telefonieren war, war immerhin ein Polizeiauto bereits anwesend. Bis zuletzt hatten die 6-7 Jugendlichen es geschafft ihren Opfer (der mit erhobenen Haenden versuchte wegzulaufen) auf den Boden zu werfen und ihn mit Fusstritten zu maltraetieren. Er lag halb bewusstlos am Boden und konnte sich nicht bewegen. Innert einer Minute war dann ein zweiter Polizeiwagen da, etwa 4 Minuten spaeter kam die Ambulanz. Von den Taetern keine Spur mehr. Zwei von uns fuenf blieben dann noch da, um eine Zeugenaussage bei der Polizei zu machen, die anderen drei nahmen den Bus. Ziemlich brutal was wir da ansehen mussten und nicht wirklich einschreiten konnten. Waeren wir aber ueberhaupt nicht da gewesen und haetten die Jugendlichen uns nicht gemerkt, haetten sie ihr Opfer wahrscheinlich um seine 200$ Cash und sein iPod erleichtert und ihm noch einiges mehr angetan. Zusammen mit dem fuck-Weltmeister, der auch ausgesagt hat (und mittlerweile nuechtern war) hat die Polizei uns dann nach Hause gefahren. Mit dem fuck-Weltmeister (der erstaunlich nah bei uns wohnt) hatten wir dann noch ein nettes Gespraech, wo er sich fuer sein Verhalten im Bus entschuldigt hat (natuerlich erst als die Polizei wieder weg war). Strange…
Mittlerweile nimmt mein Eintrag eine schoene Laenge an, und ich habe noch nicht einmal alles erzaehlt. Mindestens Samstag kann ich raffen: Zuerst habe ich das Spiel Schweiz-Tschechien angeschaut (Das war ein Penalty!), danach habe ich mich mit ein paar Mitschuelern nach Downtown gewagt, wo die Grand Prix Fans crazy gingen. Drei Strassen waren nur wegen dem Grandprix gesperrt, in einer anderen war noch die Fashionweek von Montreal.
Am Sonntag war es dann endlich so weit: Grand Prix! Clau bei seinem ersten Formel-1-Rennen. Wir waren bereits um 10 Uhr auf der Insel, wo das ganze Spektakel stattgefunden hat, und haben noch die verschiedenen Rennen vorher angeschaut und uns die bestmoeglichen Plaetze gesucht und – typisch schweizerisch – noch gejasst um die Zeit zu vertreiben. Als das Rennen endlich anfing war es 30 Grad Hitze. Ich sass am Anfang des Rennens – typisch Clau – auf einem Baum, wo ich ein paar gute Fotos geschossen habe. Danach habe ich noch andere Blickwinkel ausprobiert.
Ein Grand Prix Rennen ist hauptsaechlich laut – und in diesem Fall auch heiss. Trotzdem war es interessant – auch fuer mich, sonst ueberhaupt nicht Formel 1 interessiert – einmal so ein Rennen zu sehen. Ich denke man muss anwesend sein um das ganze nachvollziehen zu koennen. Nichtsdestotrotz denke ich nicht dass ich nochmal an ein Rennen pilgere, und nichtsdestotrotz bin ich immer noch ueberzeugt dass es in der Schweiz kein Racetrack braucht.
Wie ihr seht war das letzte Wochenende sehr intensiv – von Death Cab for Cutie ueber Koks-Clubs, Polizeitaxi und Kubica. Ich hoffe ihr verbringt auch eine interessante Zeit mit der EM. Macht ein bisschen Laerm fuer die Schweizer! Ich bin jetzt schon den ganzen Abend daran mein Problem mit den Fotos zu fixen. Falls ihr nicht warten koennt, koennt ihr mir ja mal ein eMail schreiben – cdermont@gmx.ch
LG Clau